FIP versus EPA: Wieso gab es gleich 2 Europameisterschaften in der gleichen Woche?

Die FIP (nach ihrer letzten Generalversammlung jetzt „FIPadel“) ist seit 1991 der Weltverband des Padel und nach ihrer eigenen Satzung zuständig für die Ausrichtung der Weltmeisterschaften aller Alterskategorien und der Open Championships auf kontinentaler Ebene. Sie hat 40 Mitglieder weltweit, davon 22 in Europa.

Die European Padel Association (EPA) wurde zum Ende des Jahre 2018 gegründet und beansprucht für sich die Ausrichtung aller Europa-Meisterschaften der verschiedenen Kategorien. Sie hat zurzeit 17 Mitglieder.

Der Deutsche Padel Verband ist Mitglied beider Regionalverbände: Bei der FIP seit 2013 und bei der EPA gehört der DPV zu den Gründungsmitgliedern. Wir wünschen uns ein friedliches Miteinander der Verbände, wollen Padel voranbringen und möchten keiner der beiden Organisation schaden.

Die Satzung der FIP sieht die Gründung und Aufnahme von Kontinentalverbänden ausdrücklich vor. Der Nachweis von 3 existierenden Kontinentalverbände ist nämlich Voraussetzung für die Zulassung der Sportart Padel zu den Olympischen Spielen. Laut FIP-Satzung ist aber für die Aufnahme von Kontinentalverbänden in die FIP eine Wartezeit von 3 Jahren vorgesehen. Bisher hat nach FIP-Aussage noch kein Kontinentalverband die Aufnahme bei der FIP beantragt. Die Voraussetzungen für den Start des Aufnahmeprozesses durch das Internationale Olympische Committee (IOC) werden also frühestens in 3 Jahren erfüllt sein können.

Zwischen den Beteiligten – wir sind ja beim Padel – entwickelte sich jedoch ein Streit: Im Januar 2019 war man sich bei gemeinsamen Gesprächen in Rom noch (fast) einig. Verkürzt dargestellt sollten die Junioren- und Senioren-EM durch die EPA ausgerichtet werden, die Open Championships wollte man gemeinsam veranstalten und in der Satzung sollte die Wartezeit für die Aufnahme in die FIP verkürzt werden.

Diese von der EPA verkündete Einigung wurde aber durch die FIP nicht bestätigt. Inzwischen war man nämlich auf der FIP-Ebene bei anderen Themen überkreuz geraten. Die EPA beschloss daraufhin „aus organisatorischen Gründen“ ihre EM durchzuführen. Da auch die FIP ihre Europameisterschaft stattfinden lassen wollte, eine Einigung aber trotz gegenseitiger Beteuerungen beider Parteien nicht möglich war, kam es zu zwei Europameisterschaften und damit zu einem Wettrennen um die Gunst der Mitgliedsländer. In Lissabon (EPA) starteten dann 11 Damen- und 15 Herren-Teams, in Rom (FIP) 6 Damen und 10 Herren-Teams.

Der DPV hat sich seiner Haltung entsprechend der Zwickmühle entzogen, in dem er Nationalmannschaften zu beiden Veranstaltungen geschickt hat.

Der entstandene Streit eskaliert derweil weiter: Die FIP sperrte den wortführenden portugiesischen Verband und dessen Präsidenten und versuchte per einstweiliger Verfügung die EPA Euro-Championships zu verhindern, unterlag aber vor dem portugiesischem Sport-Gerichtshof.

Der portugiesische Verband seinerseits hat die FIP vor dem internationalen Sportsgerichtshof CAS wegen dieser Sperren und der zuletzt seiner Meinung nach rechtswidrig durchgeführten Mitgliederversammlung der FIP verklagt und dafür auch die schriftliche Unterstützung von 13 Mitgliedsländern der EPA erhalten.

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